Grimm-Bürgerdozentur
Die Grimm-Bürgerdozentur ist eine Ehrung, die die Brüder-Grimm-Stadt Hanau, das Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität Frankfurt am Main und die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. mit Unterstützung der Brüder Grimm-Stiftung der Sparkasse Hanau seit 2016 verleihen. Bisherige Preisträger sind: Dr. Tilman Spreckelsen (2016), Dr. Irene Wellershoff (2018) und Sebastian Meschenmoser (2022). Die Verleihung 2020 fiel Corona bedingt aus. Die Auszeichnung 2024 erhielt Dr. Rafik Schami.
Markus Lefrançois
Illustrator erhält Auszeichnung im September
Ausstellung im Kulturforum geplant
Die Brüder Grimm-Dozentur 2026 der Stadt Hanau erhält der Illustrator, Grafik Designer und Dozent Markus Lefrançois. Oberbürgermeister Claus Kaminsky wird die Auszeichnung am Donnerstag, 17. September 2026, um 19.30 Uhr im Kulturforum überreichen. Gleichzeitig eröffnet dort eine Werkschau von Markus Lefrançois, die bis Jahresende zu sehen sein wird.
Mit der Dozentur ist ein Vortrag bei der Preisverleihung, ein Zeichenworkshop für Kinder und Jugendliche und eine Seminarbeteiligung an der Universität Frankfurt verbunden. Das Preisgeld beträgt 2.000 Euro.
Die Auszeichnung geht auf eine gemeinsame Initiative von Claudia Pecher, Präsidentin der Akademie für Kinder- und Jugendliteratur e.V. und Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen der Stadt Hanau zurück. Unterstützt wird der Preis vom Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Brüder-Grimm-Stiftung der Sparkasse Hanau. Bisherige Preisträger sind Dr. Tilman Spreckelsen (FAZ-Literaturredakteur, 2016), Irene Wellershoff (Redaktionsleiterin des ZDF-Kinderprogramm, 2018), Sebastian Meschenmoser (Maler und Zeichner, 2022) und Rafik Schami (Schriftsteller und Erzähler, 2024). 2020 konnte die Dozentur wegen Corona nicht vergeben werden.
Markus Lefrançois, geboren 1980 und aufgewachsen in Seligenstadt, lebt, liebt und arbeitet als freiberuflicher Illustrator, Grafik Designer, Dozent und vierfacher Vater in Kassel. Nach seinem abgeschlossenen Studium der Visuellen Kommunikation an der dortigen Kunsthochschule endete der offizielle Teil der Ausbildung mit der Ernennung zum Meisterschüler im Jahr 2008. Seit 2004 arbeitet Lefrançois mit diversen Buchverlagen, Museen und Kunden, z.B. aus Tourismus und vielen anderen Bereichen zusammen. In 2007 war er Mitbegründer des Verlages für Illustration "Rotopolpress" und ist seit 2025 im Team der "Bilderbuchtage Kassel", eines Festivals für Kinderbücher.
2007-19 lehrte Markus Lefrançois an der Kunsthochschule Kassel und 2009-16 an der Europäischen Kunstakademie Trier, sowie bei diversen bundesweiten Workshops, unter anderem für die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur. Von dieser erhielt er 2012 den Nachwuchspreis verliehen (Vorgängerpreis der heutigen "Serafina").
Seit 2021 ist Lefrançois Jury-Mitglied für den renommierten "Oldenburger Kinder- und Jugendbuchpreis" und seit 2026 ganz frisch Mitglied beim deutschen Nominating Body des "Astrid Lindgren Memorial-Award", des wichtigsten Preises für Kinder- und Jugendliteratur weltweit.
Markus Lefrançois schreibt über seine Arbeit: "Eine Illustration soll immer etwas mehr erzählen, als schon im Text steht, sonst ist sie nicht vonnöten! Typisch für seine Illustrationen ist ein ständiger Wechsel der Perspektive, "denn auch in der Geschichte ist man den Figuren schließlich mal mehr und mal weniger nah, fühlt sich groß und stark oder klein und schmächtig." Er findet viele der modernen Kinderbücher zu weich gespült: "Die Bilder guter Bücher sollen einfach ehrlich sein, so wie das Leben." Die vom Illustrator Markus Lefrançois bevorzugte Technik ist das Aquarell. Er nutzt diese malerische Technik aber auf sehr grafische Art und Weise. Alle Formen und Figuren bekommen eine dunkle Umrandung aus verdünnter Tusche, die so genannte Outline, die zurecht Vorbilder aus unterschiedlichen Epochen vermuten lässt. Wenn diese zeichnerische Linie auch Bewegung, Windhauch oder Töne sichtbar werden lässt, ist die Liebe und die Begeisterung für die bildhafte Sprache von Comics sichtbar, während in Bildkomposition, Farbgebung und Ornamentik die Nähe zu mittelalterlicher Buchmalerei und zum Jugendstil sowie der grafischen Kunst um 1900 fassbar wird. Seine Illustrationen sind farbig, nicht zu bunt, erst recht nicht schrill und nie kitschig. Er selbst lehnt alles Kitschige ab, obwohl er viel Stimmung und Atmosphäre in seine Bilder legen möchte. So bedient sich Markus Lefrançois auch sehr gern den der Natur eigenen Stimmungen für Jahres- oder Tageszeiten, die ihren Zauber dann auf die Erzählung übertragen. Denkbar einfach und so wirkungsvoll. Von seinen Arbeiten konnte man sich bereits in einer Ausstellung im Hessischen Puppen- und Spielzeugmuseum (2016) und den Kinder- und Jugendbuchwochen im Foyer des Neustädter Rathauses (2024) überzeugen.
Rafik Schami
Moritz Göbel
Freuen sich über die Bücherspende für die Stadtbibliothek im Kulturforum: Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, Autor Rafik Schami, Oberbürgermeister Claus Kaminsky und Claudia Maria Pecher, Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach e.V..
Im Oktober wurde der syrisch-deutsche Schriftsteller Rafik Schami im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung mit der 4. Grimm-Bürgerdozentur der Stadt Hanau ausgezeichnet. Jetzt stattete er Hanau erneut einen Besuch ab, um eine besondere Buchspende an Oberbürgermeister Claus Kaminsky und das Kulturforum zu übergeben.
„Meine Werke wurden in insgesamt 35 Sprachen übersetzt. Da Hanau eine multikulturelle Stadt ist und ich mich gerne für die Ehre der Bürgerdozentur bedanken wollte, spende ich sehr gerne eine Auswahl meiner Bücher in 28 Sprachen“, so Schami.
Begleitet wurde der Termin von Claudia Maria Pecher, Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach e.V., die anlässlich der Preisverleihung eine Laudatio auf Rafik Schami gehalten hatte, sowie Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur, Stadtidentität und Internationale Beziehungen der Stadt Hanau. Beide sind Ideengeber der Dozentur und freuen sich sehr, dass der vielbeschäftigte und renommierte Autor die Hanauer Auszeichnung angenommen hat.
„Hanau ist mit seinem Kulturforum und seinen vielen Angeboten an die Bürgerinnen und Bürger wirklich vorbildlich in Hessen“, sagte Pecher. Sie sei zudem begeistert von den Ehrungen, die die Stadt an Kulturschaffende vergibt. „Das zeigt, welchen Stellenwert Kunst und Literatur in Hanau haben!“, so die Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur.
Rafik Schami bedankte sich noch einmal herzlich für die Ehrung seitens der Stadt Hanau. „Die Grimm-Dozentur bedeutet mir viel, denn die Brüder Grimm waren mir schon als Kind in Syrien ein Begriff und ich habe ihr Werk stets bewundert.“
Oberbürgermeister Claus Kaminsky lud Schami und Pecher herzlich dazu ein die kommenden Brüder Grimm Festspiele in Hanau zu besuchen. „Die Festspiele sind ein weiterer kultureller Höhepunkt in unserer Stadt und ich bin mir sicher, dass Sie sehr viel Freude an den Inszenierungen der Märchen haben werden!“
Rafik Schami ist einer der erfolgreichsten deutschen Schriftsteller der interkulturellen Literatur. Er wurde 1946 in Damaskus geboren, studierte Chemie, Mathematik und Physik, lebt seit 1971 in Deutschland und schloss 1979 in Heidelberg sein Chemiestudium mit der Promotion ab. 1978 erschien mit „Andere Märchen“ sein erstes Buch in deutscher Sprache, sehr bekannt sind der Roman „Die dunkle Seele der Liebe“ (2004) und „Wenn du erzählst, erblüht die Wüste“ (2023).
Seine Bücher über die Märchenwelt Arabiens und das Leben von Migranten wurden in 35 Sprachen übersetzt. Insbesondere seine Lesungen und seine Erzählkunst sind literarische Ereignisse. Die Kritikerin Sabine Berking bezeichnete ihn als „Ein orientalischer Meister der deutschen Sprache“. Zu Schamis zahlreichen Auszeichnungen zählen unter anderem der Hermann-Hesse-Preis, der Nelly-Sachs-Preis, der Preis „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, der Gustav-Heinemann-Friedenspreis und die Carl-Zuckmayer-Medaille.
Die Grimm-Bürgerdozentur wird seit 2016 vergeben und soll das Leben und Werk der Brüder Jacob und Wilhelm Grimm für die Gegenwart aktualisieren, sichtbar machen und fortwirken lassen.
„Rafik Schamis Schenkung erweitert den Bestand seiner Bücher im Kulturforum erheblich. Nun sind sie etwa auch auf Arabisch, Bosnisch, Chinesisch, Koreanisch, Englisch, Französisch, Spanisch, Hebräisch, Italienisch, Japanisch, Polnisch, Russisch, Türkisch, Griechisch, Bulgarisch und Usbekisch auszuleihen“, freuen sich Martin Hoppe und die Leiterin des Kulturforums Dr. Esther Mikuszies. Die Ausleihe der Bücher in der Stadtbibliothek im Kulturforum wird ab 1. Februar 2025 möglich sein.
Sebastian Meschenmoser
Medienzentrum Hanau / Bildarchiv
Foto von links nach rechts: Martin Hoppe (Fachbereichsleiter Kultur der Stadt Hanau), Dr. Claudia Pecher (Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur), Dr. Tilman Spreckelsen (erster Preisträger und Laudator), Professorin Dr. Ute Dettmar (Leiterin des Instituts für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität), Sebastian Meschenmoser (Preisträger), Beate Funck (Stadtverordnetenvorsteherin), Prof. Dr. Bernhard Brüne (Vize-Präsident der Goethe-Universität)
Dr. Irene Wellershoff
Bodo Witzke
Nils Galle (Stiftung der Sparkasse Hanau), Dr. Claudia Maria Pecher (Institut für Jugendbuchforschung der Goethe-Universität Frankfurt am Main), Laudator Prof. Dr. Dieter Wiedemann, Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Preisträgerin Dr. Irene Wellershoff, Stadtverordnetenvorsteherin Beate Funck und Martin Hoppe, Fachbereichsleiter Kultur (Foto: Bodo Witzke)
Dr. Tilman Spreckelsen
MEDIENZENTRUM HANAU-BILDARCHIV
Foto von links nach rechts: Oberbürgermeister Claus Kaminsky, Dr. Tilman Spreckelsen, Uni-Vizepräsident Prof. Dr. Schubert-Zsilavecz (Medienzentrum Hanau / Bildarchiv)